Menschlichkeit

In der Presse hört man immer wieder von Unfallopfern die keine Hilfe in ihrer Not erfahren. Oder man hört auch immer wieder von Menschen, die einsam in ihrer Wohnung sterben und erst nach Wochen entdeckt werden. Oft ist in diesem Zusammenhang die Rede von einer fehlenden Menschlichkeit, von der zunehmenden Vereinsamung der Gesellschaft. Doch ist es tatsächlich so schlimm? Sicherlich gibt es eine Vielzahl von Fällen in denen man von einer fehlenden Menschlichkeit reden kann, doch es gibt auch positive Beispiele. Man nehme als Beispiel nur das große Hochwasser in 2013 wo mehrere Bundesländer in Deutschland betroffen waren. Ganze Landstriche standen unter Wasser. Relativ schnell kam es zu einer bundesweiten Hilfswelle durch die Bevölkerung.

Neben der Sammlung von Spenden, organisierten sich auch völlig fremde Menschen über soziale Netzwerke, zum Auffüllen und stapeln von Sandsäcken, zur Verpflegung der Anwohner und Helfer und vieles mehr. Man sieht, in der größten Not setzt sich die Menschlichkeit in der Bevölkerung durch. Oder ein weiteres Beispiel, jedes Jahr finden immer wieder organisiert durch Initiativen über das Fernsehen, Spendenabende statt. Bei diesen Spendenveranstaltungen spendet die Bevölkerung teils Millionen von Euro für die Hilfe und Unterstützung von Menschen in Not in der eigenen Bevölkerung, aber auch in anderen Ländern. Auch das ist ein Zeichen von Menschlichkeit. Jetzt war schon viel die Rede von Menschlichkeit, doch was versteht man eigentlich unter Menschlichkeit?

Was versteht man eigentlich unter Menschlichkeit?

Wer von Menschlichkeit redet, beschreibt vom Grundprinzip ein Verhalten. Grundsätzlich versteht man unter Menschlichkeit, das menschliche Miteinander, das Gute im Menschen. Und dieses menschliche Miteinander beschreibt bestimmte Werte wie zum Beispiel die Würde, die Unterstützung und letztlich auch die Hilfe. Erste Beschreibungen vom Grundprinzip der Menschlichkeit findet man auch in der Bibel und den darin enthaltenen Überlieferungen. Denn auch in der Bibel wird von einer Vielzahl von Geschichten im Sinne der Menschlichkeit berichtet, zum Beispiel die Verteilung von Nahrung. Natürlich gibt es zur Begrifflichkeit der Menschlichkeit auch das Gegenstück, die Unmenschlichkeit, oft auch als das Böse im Menschen bezeichnet. Doch was versteht man unter Unmenschlichkeit? Gerade im Zusammenhang mit Gewalt gegen andere Menschen, spricht man von einer Unmenschlichkeit. Schließlich hat kein Mensch das Recht, einen anderen Menschen zu verletzen, zu beleidigen oder in einer sonstigen Form zu Schaden. In diesem Zusammenhang und mit der Begrifflichkeit der Würde, haben auch die Gründungsväter im Grundgesetz berücksichtigt.

So heißt es im Grundgesetz, die Würde des Menschen ist unantastbar.

Dieser kleine Satz im Grundgesetz, zeigt, wie hoch der Stellenwert der Menschlichkeit in unserer Gesellschaft ist. Natürlich ist dieser Satz im Grundgesetz nur ein Baustein, der in weiteren Gesetzen mündet. So steht zum Beispiel in Deutschland unter Strafe, wenn man anderen Menschen nicht hilft. Konkret ist hier im Gesetz die Rede von der unterlassenen Hilfeleistung. Dieses Gesetz bestraft jeden Menschen der einem anderen Menschen in der Not nicht hilft. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn man einer verletzten Person nicht hilft Natürlich kann sich die Unmenschlichkeit nicht nur gegen Menschen richten, sondern auch gegen Tiere. Auch gegen Tiere kann das menschliche Handeln unmenschlich sein, zum Beispiel hinsichtlich dem Umgang und dem Verhalten. Auch hier hat der Gesetzgeber reagiert und entsprechende Gesetze zum Schutz erlassen.

Menschlichkeit im negativen Sinne

Menschlichkeit kennt aber auch ihre Grenzen, dies ist insbesondere dann der Fall wenn man andere Menschen mit seinen guten Absichten einschränkt und belastet. Man spricht hier auch im negativen Sinne vom sogenannten Gutmenschentum. Gerade in der Politik ist häufig die Rede vom Gutmenschentum, wenn es um die Beschließung von Gesetzen geht, die in das Leben der Bürger eingreift. Um dies mal an einem Beispiel zu verdeutlichen, im Bundestagswahlkampf 2013 gab es Bestrebungen einer Partei, einen fleischlosen Tag in Kantinen einführen. Dies führte bundesweit zu einer massiven Kritik, da der Vorstoß vom geringeren Verzehr von Fleisch sicherlich sinnvoll ist, dies man aber nicht über Gesetze und Verordnungen regeln kann. Man sieht an diesem Beispiel, die Menschlichkeit kennt auch ihre Grenzen.

Organisationen im Sinne der Menschlichkeit

Im Sinne der Menschlichkeit gibt es auch viele Organisationen die tätig sind. Neben den Kirchen, sind hier vor allem soziale Einrichtungen wie zum Beispiel die Caritas zu nennen. Diese soziale Einrichtungen erbringen unter dem Gesichtspunkt der Menschlichkeit eine Vielzahl von Leistungen, sei es Sozialkaufläden, Kleiderkammern, Essensausgaben, Einrichtungen zur Kinderbetreuung, Beratungsstellen, Förderungen und vieles mehr, die die Menschen im Alltag unterstützen sollen. Das Besondere daran, diese Leistungen müssen von den Leuten, die sie in Anspruch nehmen, oftmals nicht bezahlt werden. Denn die Arbeit dieser Einrichtungen wird häufig durch Spenden aus der Bevölkerung finanziert.

Meine Erfahrung zur Menschlichkeit

Eingangs wurde schon das Beispiel der Hilfswelle beim Hochwasser erwähnt. Ein ähnliches Beispiel habe auch ich in der eigenen Gemeinde erlebt und es hat mich nachhaltig beeindruckt. Es war in einer Frühlingsnacht vor zwei Jahren als in unserer kleinen Gemeinde es zu einem Brand in einem Einfamilienhaus kam. Zum Glück wurde hierbei niemand verletzt, doch die Familie mit 2 Kindern verlor ihr ganzes Eigentum und das Haus. Noch in der Brandnacht rollte eine Hilfswelle durch die Bevölkerung an. So kam die Familie bei den Nachbarn unter, von anderen Nachbarn kam Verpflegung und in den nachfolgenden Tagen und Wochen, gab es eine Vielzahl von Spenden. Angefangen von Kleiderspenden, Möbelspenden bis hin zu Geldspenden. Auch beim späteren Wiederaufbau vom Einfamilienhaus haben viele Bürger unserer Gemeinde mitgeholfen. Für die betroffene Familie war der Brand unabhängig der Hilfe durch die Bevölkerung, ein schlimmes Ereignis. Trotzdem konnte die Not der Familie durch die Unterstützung der Bevölkerung gemindert werden. Dieses Ereignis hat unsere Gemeinde lange beschäftigt und vor allem vereint und ich bin mir sicher, kommt es wieder zu einem solchen Ereignis, wird die Gemeinde wieder zusammenhalten und Menschlichkeit beweisen.