Gleichberechtigung

Wer sich mit dem Grundgesetz unseres großartigen Landes beschäftigt, wird schnell in den einzelnen Artikeln fündig, was die Gründungsväter und Mütter hinsichtlich Gleichberechtigung festgelegt haben. So findet man zum Beispiel im Grundgesetz die Formulierung, das Männer und Frauen gleichberechtigt sind. Was für uns heute eine Selbstverständlichkeit ist, war nicht immer so. So hatten zum Beispiel früher Frauen, kein Wahlrecht. Doch was ist eigentlich Gleichberechtigung, was versteht man darunter?

Die Definition von Gleichberechtigung

Die Gleichberechtigung, insbesondere die fehlende Gleichberechtigung kann sich in verschiedenen Facetten bemerkbar machen. So werden oftmals im Sinne einer fehlenden Gleichberechtigung, auch Begrifflichkeiten wie die Diskriminierung oder die Privilegierung zu nennen. Doch auch wenn die Gleichberechtigung verschiedene Begrifflichkeiten kennt, gibt es Unterschiede. So spricht von der Diskriminierung, wenn man eine Person ohne einen Grund, zum Beispiel aufgrund seines Geschlechts, seiner Rasse, aufgrund einer Behinderung oder seiner sexuellen Orientierung benachteiligt.

Um es mal an einem Beispiel zu verdeutlichen. In Deutschland wird rechtlich kein Mensch wegen seiner sexuellen Orientierung benachteiligt, so können auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten und sind traditionellen Ehe weitgehend gleichgestellt. Anders sieht die Rechtslage aber in anderen Ländern aus, hier werden Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung durch den Staat und die Gesellschaft verfolgt. So gibt es noch heute mehr als 10 Länder, die die Homosexualität als Straftat ansehen und dafür sogar die Todesstrafe vorsehen.

Auch in Deutschland stand die gleichgeschlechtliche Liebe lange unter Strafe. Teils wurden hier Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren und die Kastration verhängt. Letzteres diente nach damaliger Meinung dazu, dass sich das Erbgut dieser kranken Menschen nicht verbreiten kann. Die Homosexualität wurde nämlich als eine Krankheit angesehen. Abseits der Diskriminierung gibt es die Privilegierung, von dieser spricht man, wenn eine oder mehrere Personen bevorzugt werden. Dies kann zum Beispiel in einem öffentlichen Verfahren sein oder durch die Justiz. Wie man anhand dieser zwei Begrifflichkeiten erkennen kann, muss man das Thema der Gleichberechtigung vielschichtig sehen.

Gleichberechtigung ist nicht immer Gleichberechtigung

Eingangs wurde auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verwiesen und in diesem Zusammenhang auch beispielhaft auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Doch wer jetzt glaubt, dass diese grundlegende Formulierung sich auch in allen Lebensbereichen niedergeschlagen hat, der täuscht sich. So brauchte zum Beispiel bis 1969 Frauen die Zustimmung ihres Mannes, wenn sie einen Führerschein machen wollen. Oder ein weiteres Beispiel, bis ins Jahr 1962 durften Frauen kein Bankkonto ohne Zustimmung vom Ehemann eröffnen.

Man sieht an diesen zwei Beispielen, wie vielschichtig die Gleichberechtigung sein kann und das Gleichberechtigung nicht gleich Gleichberechtigung ist.

Gesetzliche Entwicklung in Deutschland

Das Grundgesetz war und ist bis heute der Anker in dem die Gleichberechtigung formuliert wird. Doch wie wir Wissen zeigt sich die Gleichberechtigung in einer Vielzahl von unterschiedlichen Facetten und oft gibt es noch keine wirkliche Gleichberechtigung, wie wir anhand vom Beispiel Mann und Frau erkennen mussten. Doch der Gesetzgeber bleibt nicht untätig und formuliert die Gleichberechtigung in weiteren Gesetzen aus.

Um bei der Gleichberechtigung von Mann und Frau zu bleiben, so wurde der grundlegende Anspruch erst später, im Jahr 1958 in einem Gesetz zur Gleichberechtigung von Mann und Frau ausformuliert. So wurde in diesem Gesetz das sogenannte Letztentscheidungsrecht des Ehemanns, beispielhaft Führerschein, Bankkonto ersatzlos gestrichen. Auch wurde der gesetzliche Güterstand mit dem Gesetz eingeführt, ferner das Recht das auch Frauen über ein Vermögen verfügen dürfen. Eine weitere grundlegende Änderung gab es im Familienrecht, in dem die väterlichen Vorrechte eingeschränkt bzw. abgeschafft wurden. In den nachfolgenden Jahren folgenden noch viele weitere Gesetze im Sinne einer Gleichberechtigung. Doch nicht immer markierte die Gesetzgeber die Veränderung, zu zahlreichen Veränderungen musste der Gesetzgeber erst gerichtlich gezwungen werden. Gerade wenn es um die sexuelle Orientierung geht, beruhen viele spätere gesetzliche Regelungen, auf Gerichtsentscheidungen durch das Bundesverfassungsgericht, als höchstes deutsches Gericht.

Beispielhaft ist hier die Gerichtsentscheidung aus 2013 zu nennen, mit dieser Entscheidung wurde das Adoptionsrecht von gleichgeschlechtlichen Paaren gestärkt. Aber auch in vielen anderen Punkten, wie der Inklusion von behinderten Menschen haben Gerichte grundlegende Entscheidungen getroffen die letztlich den Gesetzgeber zum Handeln Zwang.

Gleichberechtigung ein brandaktuelles Thema

Dass das Thema der Gleichberechtigung auch heute noch ein Thema in Deutschland ist, zeigt sich in vielen Bereichen. Wer den letzten Bundestagswahlkampf 2013 verfolgt hat, war ein großes Thema die Quote. Konkret ist hier die Rede von der Frauenquote, doch wo ist das Problem? Hintergrund der Frauenquote ist, dass die Vielzahl der Chefetagen und Aufsichtsräten in deutschen Unternehmen fast ausschließlich in Männerhand sind. Mit der Frauenquote in Form eines Gesetzes möchte man jetzt die Unternehmen zwingen, die Durchlässigkeit in die Chefetagen und Aufsichtsräten auch für Frauen zu erleichtern.

Ein weiteres heißes Thema ist die Inklusion von behinderten Menschen. Der Inklusionsgedanke zieht sich hierbei vom Kindergarten über die Schule bis hin zum Beruf. Kinder mit einer Behinderung sollen dieselben Möglichkeiten, sprich auch die Möglichkeit der Besuch eines normalen Kindergarten und Schule haben. Gleiches gilt auch später für den Beruf, auch hier sollen Menschen mit Behinderungen, durch ihre Behinderung nicht benachteiligt werden. Man sieht nur an diesen zwei aktuellen Themen, wie vielfältig das Thema der Gleichberechtigung ist und viel noch getan muss.

Eigene Erfahrung zur Gleichberechtigung

Mich als Frau hat schon immer ein handwerklicher Beruf interessiert. Da ich durch meinen Vater, der Schreiner war, viel mit Holz in Berührung kam, wollte auch ich diesen Weg einschneiden. Für mich stand der Weg fest, nach meinem Schulabschluss im Jahr 1994 mache ich eine Berufsausbildung zur Schreinerin. Doch anders als erwartet, musste ich diesen Berufswunsch relativ schnell verwerfen. Den egal ob es sich um einen Initiativbewerbung oder um eine Bewerbung auf eine offene Ausbildungsstelle beworben hatte, es funktionierte nicht. An meinem Schulabschluss der überwiegend sehr gut bis gut ist, wird es sicherlich nicht gelegen haben. Ich schätze viele Schreinerbetriebe wird die Vorstellung einer weiblichen Auszubildenden abgeschreckt haben. Letztlich blieb mir nur der Weg einer Berufsausbildung in einen typischen Frauenberuf, nämlich als Krankenschwester übrig. Glücklich bin ich mit dieser Entscheidung bis heute nicht.